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PFAU VERLAG
Stefan Fricke +
Sigrid Konrad GbR
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D 66111 Saarbrücken
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"... mit der zeitgenössischen Musik will die Gegenwart sich darstellen, erhellen und sich ordnen, während sie zugleich das Vergangene bestätigt, verschönt oder beurteilt; sie weist aber auch in die Zukunft, leitet sie ein und lässt sie zur Wirklichkeit werden. Dies ist die Begründung dafür, warum man sich mit der zeitgenössischen Musik auseinandersetzen muss, sie durchdringen (...), sie verstehen, kennenlernen, lieben, kämpfen muss, mit ihr, für sie und durch sie."

Diese Passage aus einem Brief des Dirigenten, Komponisten und Musikpublizisten Hermann Scherchen, den er 1940 an seine Frau Xiao Shusien geschrieben hat, gehört zu den emphatischsten und wahrhaftigsten Äußerungen über die gesellschaftliche Notwendigkeit neuer Musik. Bis heute hat Scherchens Befund nichts an seiner Gültigkeit eingebüßt, und es steht sehr zu vermuten, dass er auch für die kommenden Jahrzehnte aktuell bleiben wird. Die hingebungsvolle wie kämpferische Aneignung des ästhetisch Neuen, sei es Musik, Bildende Kunst oder Literatur, dürfte dabei der einzige Weg sein, ein sensuell sich veränderndes Bewusstsein in einer Sozietät zu schaffen, die in den letzten Jahren beharrlich regrediert und mehr Innovationen abschafft als neue zu begründen.

Als sich im Dezember 1989 in Saarbrücken der Pfau-Verlag konstituierte, waren sich dessen drei Initiatoren und ehemaligen Kommilitonen Roger Pfau - Namensgeber des Unternehmens, der wenige Jahre später aus privaten Gründen ausschied - sowie Sigrid Konrad und Stefan Fricke, die seither den Verlag betreiben, über die Verantwortung samt der Konsequenzen eines solchen Projekts noch nicht wirklich im Klaren. Es war - rückblickend - wohl vor allem studentische Naivität und adoleszenter Tatendrang, eine Firma zu gründen, deren Geschäftsidee das Publizieren von Musikbüchern und insbesondere solchen zur zeitgenössischen Musik ist. Ob wir heute denselben Elan nochmal aufbringen würden, ist nach über zehn Jahren verlegerischer Tätigkeit kaum positiv zu beantworten: die wirtschaftliche Situation des Pfau-Verlags hat sich seit der Firmengründung nicht wesentlich verbessert, auch wenn die backlist mittlerweile auf um die 250 Titel angewachsen ist.

Nach wie vor kann die Arbeit im Verlag nicht entlohnt werden, wenn das Pfau-Projekt weiter existieren will, wenn weiterhin Texte zur neuen Musik erscheinen sollen. So gesehen wäre das gesamte Unterfangen eher als Hobby denn als ein betriebswirtschaftlich in allen Details gut funktionierendes Geschäft zu bezeichnen. Doch der Aufwand der Buchproduktion - vom Aufspüren, Lektorieren bis hin zum Vertrieb - ist derart groß, zeit- und kostenintensiv, dass von einem der Entspannung dienenden Tätigkeitsfeld nun wahrlich nicht die Rede sein kann. Der laufende Betrieb verlangt größtmöglichen Einsatz: die Verpflichtung den Autoren und ihren Projekten gegenüber wächst stetig, und von der regelmäßigen wie geregelten Tantieme- Ausschüttung wird sich der Pfau-Verlag keinesfalls trennen. Leider aber ist das Interesse an der neuen Musik, insbesondere das der sujetbezogenen Lektüre so gering, dass sich der ökonomisch prekäre Status künftig wohl nur wenig ändern dürfte.

Indes hat die Wichtigkeit, Musikbücher zu veröffentlichen, heute alles andere als nachgelassen. Immer noch sind sehr viele Informationen, die für die eigene Arbeit notwendig sind oder für die man sich aus welchen Gründen auch immer interessiert, gar nicht oder nur schwerlich zu erhalten. Die Leerstellen der zeitgenössischen Musik, obgleich wir uns inmitten ihrer Produktion befinden, sind größer als die schon erschlossenen Terrains. Aber auch diese sind oft nur recht fragwürdig zivilisiert worden. So war und ist es ein programmatisches Ziel des Pfau-Verlags, Neues und Unbekanntes zu befördern, Entlegenes bereitzustellen und, wo möglich, notwendigen historischen Korrektiva publizistische Chancen zu geben, um auch aus dem musikologischen Eigenverständnis heraus rektifizierende Sichtweisen zu evozieren.

So entstand die Reihe "Quellentexte zur Musik des 20./21 Jahrhunderts", die autopoetologische Äußerungen von Komponisten in jeweils ihnen gewidmeten Bänden versammelt und mit einer auf nunmehr fünf Bände angewachsene Edition der Musiktexte von Gottfried Michael Koenig eröffnet wurde, einen weitaus differenzierteren Blick in die Anfänge des Serialismus und der Elektronischen Musik als denjenigen, den die bisher verfügbaren Veröffentlichungen anderer Protagonisten neuer Musik nahegelegt haben. Weitere erschienene "Quellentexte"-Bände und in Arbeit befindliche Editionen beinhalten die Texte von Günther Becker, Konrad Boehmer, Theo Brandmüller, Paul-Heinz Dittrich, Vinko Globokar, Hans G Helms, Georg Heike, Hans-Joachim Hespos, Wolfgang Hufschmidt, Wolf Rosenberg, Louis Saguer, Stefan Wolpe.

Eine zweite Publikationsreihe im Pfau-Verlag heißt "fragmen" und ist in ihrer seiner Konzeption sehr offen. Gemeinsam ist den "fragmen"-Heften nur, dass es sich um schmale Publikationen mit einem Umfang von zwanzig bis um die vierzig Seiten handelt, eine Textmenge also, die für nahezu alle derzeitigen Zeitschriften neuer Musik zu groß, für Bücher hingegen zu gering ist. Die inhaltliche "fragmen"-Idee lautet: "Fragestellungen zur Gegenwartsmusik werden zunehmend global betrachtet, unterschiedliche Kontexte mehr und mehr miteinander vernetzt. Es entsteht Bedarf, Themenfelder gezielt, prägnant und entsprechend ihrer ästhetischen Tragweite darzustellen. 'fragmen' - Forum für grundlegende Texte zur neuen Musik - bietet gleichermaßen einen ersten Zugang sowie ergänzende Aspekte zu KomponistInnen, einzelnen Werken, interdisziplinären Ansätzen und wissenschaftlichen Forschungsmodellen."

Vierzig verschiedene "fragmen"-Hefte sind mittlerweile erschienen; sie behandeln Kompositionen und Werkaspekte von beispielsweise Theodor W. Adorno, John Cage, Carmen Maria Cârneci, Paul-Heinz Dittrich, Morton Feldman, Werner Heider, Jörg Herchet, Hans-Joachim Hespos, Heinz Holliger, Nicolaus A. Huber, Sven-Åke Johansson, Mauricio Kagel, Joonas Kokkonen, György Kurtág, Helmut Lachenmann, Brundo Maderna, Olivier Messiaen, Federico Mompou, Olga Neuwirth, Klaus Ospald, Hans Otte, Krzystof Penderecki, Wolfgang Rihm, Wolf Rosenberg, Giacinto Scelsi, Dieter Schnebel, Ernstalbrecht Stiebler, Valentin Sylvestrow, David Tudor, Edgard Varèse, Sandor Veress, Stefan Wolpe, Ivan Wyschnegradsky, Jacques Wildberger, Iannis Xenakis.

Einige der "fragmen"-Autoren und auch von anderen Einzelpublikationen, und das ist schon seit den Pfau-Anfängen eine zentrale Programmidee, sind selbst Komponisten. Schließlich äußeren sie sich nicht nur in Musik, sondern aus den verschiedensten Gründen auch oftmals sehr intensiv über Musik. Abgesehen von den Autoren der "Quellentexte"-Reihe und den Gesprächspartnern der Interview- "fragmen"-Hefte sind dies etwa Peter Ablinger, Martin Bergande, Volker Blumenthaler, Giulio Castagnoli, Reinhard Febel, Ernst August Flammer, York Höller, Adriana Hölszky, Wolfgang Motz, Harald Muenz, Kirsten Reese, Mauricio Rosenmann, Hermann Spree, Christoph Staude, Jakob Ullmann, Walter Zimmermann.

Außer der "fragmen"- und der "Quellentexte"-Reihe als den ursprünglichen Konzeptsäulen des Pfau-Verlags besteht das Programm aus zahlreichen Einzelstudien und Anthologien zu einzelnen KomponistInnen und allgemeineren Darstellungen zeitgenössischer Musik. Ein Großteil dieser Publikationen ist aus musikwissenschaftliche Dissertationen hervorgegangen, andere Veröffentlichungen lagen zunächst als Magister- oder Examensarbeiten vor. Sie hatten sich dann für die Inverlagnahme ihres akademischen Gesichts zu entledigen und wurden lesbarer, ohne inhaltliche Konzessionen zu machen. Es stünde der universitären Musikologie sicher nicht schlecht an, bei der Ausbildung der Studierenden mehr Wert auf das Schreiben zu legen; auch die bessere Schulung in der Darstellung von Quellen und die Handhabung von Fußnoten scheint notwendig zu sein.
Hier wird den Verlagen oft eine Recherchetätigkeit zugemutet, sofern die szientifischen Apparaturen korrekt sein sollen, die eigentlich ins Aufgabengebiet der akademischen Institute und ihres Personals gehört. Zu den sprachlichen und formalen Mängeln der Typoskripte gesellen sich oftmals die trügerischen Fertilitäten der Autoren in der Handhabung von Text-Software. Bisweilen scheint ein jeder unbedingt alle digitalen Auszeichnungsmöglichkeiten einsetzen zu müssen, um dem Gesagten mittels überflüssiger typografischer Spielchen Nachdruck zu verleihen. Den stets eiligen technischen Ablauf im Verlagsalltag schadet das nur, schließlich wollen die meisten Autoren ja ihr Buch so schnell wie möglich auf dem Ladentisch haben.

Eine weitaus delikatere Belastung in der Musikbuchproduktion ist aber zunehmend die Integration von Notenbeispielen geworden. Und dies nicht aus satztechnischen Gründen, sondern weil ein Gros der Musikalienverlage mittlerweile horrende finanzielle Forderungen für die Reproduktion von Partiturfragmenten stellt. Mitunter macht das ein Fünftel der gesamten Herstellungskosten aus. Künftig wird sich also der Anteil von rechtsgebundenen Notenbeispielen verringern müssen, um noch annähernd adäquat produzieren zu können. Zwar erlaubt das Urheberrecht das honorarfreie Zitieren von Notenbeispielen in wissenschaftlichen Kontexten, was viele Musikalienverlage mit den Hinweis auf das Recht am Satzbild aber nicht akzeptieren wollen (oder schlichtweg Bearbeitungsgebühren verlangt, für was eigentlich?). Hier wären wohl grundsätzliche Rechtsprozesse zu führen, um derartige Belange zu klären oder zunehmend die jeweiligen Komponisten um die Wiedergabe ihrer Skizzen zu bitten. Denn diese erweisen sich meist als weitaus kooperativer als die Kollegen in den Musikalienverlagen, die zweifellos auch ihr Geld verdienen müssen. Das täten sie allerdings auch, wenn sie sich klarmachten, dass jedes Buch über einen ihrer Verlagsautoren auch diesen bekannter werden lässt. Und das die zeitgenössische Musik der verbalen Flankierung benötigt, wird kaum jemand ernsthaft bezweifeln können. Die so in den Weg gelegten Steine könnten auf Dauer zu den eigenen werden.

Recht schnell begann der Pfau-Verlag sich auch um die Invertriebnahme von Festivalprogrammheften zu kümmern, weil viele Veranstalter mit einer späteren Distribution ihrer Veröffentlichungen überfordert sind: zum einen, weil Programmhefte eigentlich nicht für den postfestivalen Gebrauch produziert werden, zum anderen, weil es den Veranstaltern auch an Personal fehlt, um jede einzelne Anfrage nach dieser oder jener Broschüre erledigen zu können. Trotzdem sind Programmhefte neuer Musik für die Arbeit mit derselben unentbehrlich. Nicht selten liefern die dort platzierten Artikel die einzige verbale Auskunft über die betreffende Stücke, enthalten mitunter herausragende Essays und geben auch nach Jahrzehnten noch wichtige Hinweise über Konzertstrukturen.

Die Programmhefte vieler wichtiger Festivals neuer Musik im deutschsprachigen Raum stehen durch den Distributionsservice des Pfau-Verlags auch denjenigen Interessierten zur Verfügung, die das betreffende Festival nicht besuchen konnten oder denen die eine oder andere Festivalpublikation fehlt. Zum Beispiel: Musik im 20./21. Jahrhundert des Saarländischen Rundfunks, Wittener Tage für Neue Kammermusik, Donaueschinger Musiktage, Wien Modern, Grazer Musikprotokoll, Pro Musica Nova von Radio Bremen, die Programmhefte des Karlsruher Ensemble 13, die Veröffentlichungen der Inventionen in Berlin, Ultraschall-Festival von DeutschlandRadio Berlin und Sender Freies Berlin, Musikfestspiele Saar.

Bei diesen Kooperationen zeichnet allein der jeweilige Veranstalter für die Publikation verantwortlich, dies ist auch der Fall bei den Gemeinschaftsprojekten mit der Hochschule des Saarlandes für Musik und Theater, dem Berliner Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdiensts, dem Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik (DZzM), den Gesellschaften für Neue Musik in Hannover (HGNM), Köln (KGNM) und Berlin (BGNM) sowie bei der Schriftenreihe "Verdrängte Musik", die der Förderverein zur Wiederentdeckung NS-verfolgter Komponisten und ihrer Werke "musica reanimata" herausgibt, die ab Band 16 im Pfau-Verlag erscheinen. Anders als bei den Festival-Programmheften, wo die Buchgestaltung Layout-Kriterien der jeweiligen Institutionen entsprechen muss, ist ein Großteil der letztgenannten Kooperationspublikationen eng mit den programmatischen Konzeptionen des Verlags verknüpft. Die Vielfalt der neuen Musik spiegelt sich eben auch in der Vielgesichtigkeit der Publikationen. Dabei durchgängig auf optische Identität zu setzen, weil‘s Marktingexperten als dernier crie verkaufen, ist dem Pfau- Verlag nicht wichtig. Essentiell ist allein die Neugierde am ästhetisch Neuen, die Notwendigkeit derselben, die Lust an der zeitgenössischen Musik und ihren Texten. Und dass ist ja zuallererst das Verdienst der Autoren, der Verlag bleibt ihr mitstreitender Vermittler.


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